Yves Klein in Palma: Ein Sprung ins unendliche Blau

Wer in der Kunstwelt an die Farbe Blau denkt, denkt zumeist automatisch an Yves Klein. Der Visionär, der nur 34 Jahre alt wurde, gilt als einer der Pioniere der zeitgenössischen Kunst. Seine hypnotisierenden blauen Werke sind in vielen großen Museen der Welt zu sehen. Nun widmet die Fundación Juan March in Palma dem Künstler, der die Kunstszene des 20. Jahrhunderts revolutionierte und eine Schlüsselfigur des Nouveau Réalisme war, eine Ausstellung. Unter dem Titel „Yves Klein – Un poco de infinito“ sind in vier Ausstellungsräumen 24 Werke des Franzosen zu sehen. Sie ermöglichen, seinen künstlerischen Werdegang und seine besondere Beziehung zu Spanien nachzuvollziehen.
Das Thema Unendlichkeit beschäftigte Yves Klein und viele Künstler nach ihm
Schon wenn man die Treppen der Stiftung in den zweiten Stock hinaufgeht, tut man das sozusagen unter Kleins Einfluss, denn unter der Decke hängt in der Dauerausstellung das fuchsiafarbene, monochromatische und von innen erleuchtete Werk „Haiku del alba“ des zeitgenössischen spanischen Künstlers José Maria Yturralde aus Cuenca.

Unter der Installation "Haiku del alba" von José Maria Yturralde schreitet man die Treppen zu der Ausstellung "Yves Klein - Un poco de infinito" umhoch / Alexandra Bosse
Yturralde beschäftigt sich, genauso wie Klein es tat, mit dem Thema Unendlichkeit und ist auf der Suche nach der Entmaterialisierung und dem Bedeutungsraum der Leere. Wie auch Yves Klein in einer legendären Ausstellung in der Galerie Iris Clert in Paris 1958. Der Künstler entfernte dort alle sichtbaren Objekte, strich stattdessen den Raum vollständig weiß und stellte lediglich eine leere Vitrine aus. Die Erklärung: Der Raum sei nun mit einer „immateriellen Bildwelt“ gefüllt.
Judo und Kunst
Yves Klein, der 1928 in Nizza als Sohn zweier Künstler zur Welt kam und dem damit eigentlich schon in die Wiege gelegt war, sich selbst ebenfalls der Kunst zu widmen, schlug zuerst einen anderen Weg ein. Er war fasziniert von den asiatischen Kampfkünsten und trat mit 19 Jahren einem Judoclub in Nizza bei.

Porträt von Yves Klein im Judogi, 1959 / Martha Rocher
Dort lernte er auch Armand „Arman“ Fernándéz kennen, einen der Begründer des Nouveau Réalisme. Beide teilten die Begeisterung für das Training und die damit verbundene Philosophie. Das dem „sanften Weg des Judos“ zugrunde liegende Prinzip der maximalen Wirkung bei einem minimalen Aufwand sollte Yves Klein sein Leben lang begleiten. Er reiste nach Japan, um dort seine Technik zu perfektionieren, und erlangte als erster Europäer den schwarzen Gürtel (4. Dan). Bei seiner Rückkehr nach Paris eröffnete er einen eigenen Judo-Club.
Seine Beschäftigung mit kämpferischen und visuellen Praktiken und der Zen-Philosophie hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf seine Werke und seine Weltsicht. Yves Klein verstand Farbe als sinnliche und spirituelle Erfahrung und wollte die Grenzen der Malerei über Zeichnungen und Linien hinaus erweitern. Die von Cristina Carrillo de Albornoz kuratierte Ausstellung in der Fundación Juan March in Palma nähert sich dieser künstlerischen Welt thematisch.

Yves Klein führte bei seinem Aufenthalt in Spanien Tagebuch auf Spanisch, die Ausstellung in Palma zeigt einige seiner Einträge. / Yves Klein
So lässt sich im ersten Raum Kleins Leidenschaft für das Reisen mit auf Spanisch verfassten Tagebucheinträgen und Schwarz-Weiß-Fotografien nachvollziehen. Der damals 23-Jährige war 1951 erstmals nach Madrid gereist, um Spanisch zu lernen, trainierte gleichzeitig Judo in einem lokalen Club und fasste hier den Entschluss, Künstler zu werden.
Die Ausstellung zeigt im selben Raum erste monochrome Gemälde, in denen der Künstler sein Farbvokabular etablierte. Klein bezeichnete sich selbst zu Lebzeiten als „der Monochrome“. Hier sehen wir noch Rot, Orange, Gelb, Grün und Türkis als Monochrom auf Farbtafeln.

Monochrome Farbtafeln von Yves Klein / Yves Klein - IVAM, Institut Valencià d’Art Modern
Es dauerte eine Zeit, bis er sich auf die Farbe Blau festlegte und 1960 eine eigene Mischung aus Ultramarinpigment und einem Bindemittel patentierte. Er benannte sie nach sich selbst „Internationales Kleinblau (IKB)“.
Blau als Ausdruck von Meer und Himmel
Klein sagte zu seiner Vorliebe: „Blau ist dimensionslos. Alle Farben rufen Assoziationen mit konkreten Vorstellungen hervor, während Blau höchstens an Meer und Himmel erinnert, an die abstraktesten Aspekte der greifbaren und sichtbaren Natur. Wir können das Blau des Meeres oder des Himmels niemals berühren, was es umso verführerischer macht; es ist das unendliche Nichts.“
Einige Beispiele von Werken in diesem charakteristischen, matten, tiefen und unverwechselbaren Blauton finden sich in den nächsten Ausstellungsräumen – wie beispielsweise der blaue Globus („Globe terrestre bleu“) und zwei blau eingefärbte Schwämme, die wie blaue Gehirne wirken („Sculpture éponge bleue sans titre“). Abgetrennt in einer eigenen Ecke befindet sich eine drei Meter mal drei Meter große Fläche, die mit IKB-blauen Pigmenten gefüllt ist („Pigment pur“) und wie ein Swimmingpool wirkt. Darüber ist „blauer Regen („Pluie bleue“) installiert.
![Eine Fläche voller blauer Pigmente von Internationalem Kleinblau, die anmutet wie ein Swimmingpool: Pigment pur [IKB], 1957 (edición póstuma, 2026)](https://estaticos-cdn.prensaiberica.es/clip/6045d03a-20d3-4d60-8563-daff1fb22c43_alta-libre-aspect-ratio_default_0_x480y184.jpg)
Eine Fläche voller blauer Pigmente von Internationalem Kleinblau, die anmutet wie ein Swimmingpool: Pigment pur [IKB], 1957 (edición póstuma, 2026) / The Estate of Yves Klein c/o ADAGP, Paris / VEGAP, Madrid, 2026
Im nächsten Raum hängen zwei Werke aus Kleins „Anthropometrie“-Serien. Als Judoka war er fasziniert von den Spuren, die ein Körper auf der Matte hinterließ. So entwickelte er die Idee zu „lebenden Pinseln“. Er bemalte nackte weibliche Modelle mit blauer Farbe und ließ sie sich über ein auf dem Boden liegendes Blatt Papier rollen. Dadurch hinterließen die Körper Farbschichten auf der Leinwand als ein Produkt von Zufall und Spontaneität. Die Arbeit „Nouveau Réalisme du Feu!“ ist hingegen ein Beispiel für Yve Kleins Beschäftigung mit dem Feuer. Er benutzte Flammenwerfer, um die Spuren des Feuers auf diverse Oberflächen zu übertragen und so auch mit diesem Element Kunst zu erschaffen.

Ausschnitt der ausgestellten Feuerkunst von Yves Klein: Nouveau Réalisme du Feu! (F 95), 1961 / Yves Klein - IVAM, Institut Valencià d’Art Modern, Generalitat
Klein ebnete den Weg für Kunstrichtungen wie etwa die Konzeptkunst, den Minimalismus und die Performancekunst. Er verstarb 1962 kurz nach seiner Heirat mit der deutschen Künstlerin Rotraut Uecker an einem Herzinfarkt. Viel zu früh – man stelle sich vor, wie viele ganz eigene Werke er noch hätte erschaffen können.
Informationen
„Yves Klein – Un poco de infinito“
Ausstellung bis zum 26. September in der Fundación Juan March, Carrer de Sant Miquel, 11, Palma, kostenlos.
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10–18.30 Uhr und Sa. 10–14 Uhr
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