Diese Galerie im Osten von Mallorca ist ein ganz und gar unwahrscheinlicher Ort

Vielleicht liegt der Zauber auch darin, dass es eben nicht das ganze Jahr über möglich ist, hierherzukommen. Eine, maximal zwei Ausstellung im Jahr gibt es in Sa Pleta Freda, diesem unwahrscheinlichen Ort in einer kleinen Gasse in Son Servera im Osten von Mallorca.
Ganz sicher liegt der Zauber in diesen verwinkelten Räumen selbst. Diesem Labyrinth, das man nach mehreren Besuchen zwar kennt, aber dessen Architektur sich immer noch nicht erschließt. Ganz als träte man von der Straße in einen Ort, in dem zwischen weißen Wänden die Regeln des Raums, wie sie für andere Gebäude gelten, aufgehoben wurden.
Ganz sicher kommt man aber immer wieder zurück, jedes Jahr, weil nicht nur der Raum einem die Gewissheit schenkt, dass (1.) dieser Ort echt ist und (2.) immer noch existiert, sondern weil die Kunst, die man hier zu sehen bekommt, einen immer wieder aufs neue fordert, überrascht, entzückt.

Ein Werk von Margalida Escales. / Marina Amer
Sieben Künstler und ihre Werke
Seit 50 Jahren gibt es Sa Pleta Freda. Betreiber Antoni Esteva, hauptberuflich weltweit anerkannter Architekt, hätte es sich leicht machen können und eine Retrospektive bieten können. Große Namen – Barceló, Saura, Miró – gab es hier schon von Anfang an zu sehen. Aber das wäre nicht Sa Pleta Freda. Denn ein Geschäft, so versichert Esteva, war diese Galerie noch nie. „Und sie wird es auch niemals sein.“ Also macht er das, was er schon immer macht. Er zeigt Künstler, die ihn bewegen. Und deren Werke in diesen Räumen zur Geltung kommen. Insgesamt sieben Künstler sind in diesem Jahr mit ihren Werken vertreten.
Da ist zum Beispiel Hiroshi Kitamura, ein älterer Japaner, der in Katalonien lebt und dort vor allem mit Holz arbeitet. Im Eingang der Ausstellung steht eine große Skulptur, an der er drei Jahre gearbeitet hat – zusammengesetzt aus unzähligen kleinen Holzstücken, die eine Figur ergeben, die an einen Baum ohne Krone erinnert. Andere seiner Arbeiten sind eher filigran, spielen mit Gleichgewicht und Form.

Ein Werk von Hämez Bernier. / Patrick Schirmer Sastre
Erde wie eine kleine Skyline
Einen Raum weiter stehen Skulpturen der renommierten mallorquinischen Keramikkünstlerin Margalida Escales. „Für mich wirken sie wie Bücher“, sagt Esteva. Aufgereiht stehen sie auf einem Haufen Erde, wie eine kleine Skyline. Andere Arbeiten von Escales wirken eher wie archäologische Fundstücke aus der Antike.
Filigran sind derweil die Arbeiten des Franzosen Martin Lo, „übrigens ein Nachbar von Hiroshi Kitamura“. Feine Bambusstäbe werden gebogen und durch Draht in Form gehalten. Dadurch entstehen Mobiles, die die Luft des Raums durchbrechen.
Konzeptuell geht es bei der in Son Servera lebenden Künstlerin Hāmez Bernier zu. Sie stellt im Untergeschoss mit einer Installation aus Stoffen, Pappe und Licht den Lebensweg der Seele dar. Ein Appell, das Leben im Jetzt zu erleben.

Ein Werk von Pedro Domenge. / Patrick Schirmer Sastre
Sa Pleta Freda verheißt noch Entdeckungen
Der wohl beste Teil der Ausstellung sind die Arbeiten von Pedro Domenge, ebenfalls aus Son Servera. Anhand gefundener Objekte wie Zinkblech wendet er die japanische Wabi-Sabi-Ästhetik an, die Schönheit im Unvollkommenen, Vergänglichen und Schlichten findet. Das Ergebnis sind vielschichtige, abstrakte Arbeiten, in denen sich immer wieder neue Details auftun.
Vollendet wird die Ausstellung mit einer Installation von Xim Llompart im Obergeschoss und den Arbeiten von Antoni Esteva selbst. Nachdem der Galerist im vergangenen Jahr in einer Solo-Ausstellung sein künstlerisches Schaffen präsentiert hatte, zeigt er auch dieses Mal einige Werke, bei denen er sich auf die Schönheit der Imperfektion, des Zufalls, des Verfremdeten einlässt.
Sa Pleta Freda ist auch nach 50 Jahren ein Ort, der Entdeckungen verheißt.
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