Konzertreihe Sons de Nit auf Mallorca: Musik im Namen des Friedens

Der aktuelle Zustand der Welt hinterlässt auch Spuren bei jenen, deren Job es ist, uns positive Ablenkung zu bescheren. Konzertveranstalterin Ana Espina von Fonart hat das Plakat der diesjährigen Ausgabe von Sons de Nit für eine Botschaft genutzt: Die mit dem Friedenssymbol des Ölzweigs tätowierten Arme einer „Antikriegs-Kriegerin“ brechen ein Gewehr entzwei. Das Motto: „Rompe el arma. Siente la música.“
Die friedliche Kraft der Musik kann das Publikum nun bis Ende August bei Konzerten an besonders stimmungsvollen Schauplätzen überall auf der Insel erleben. „Wir lieben es, dass bei diesem Festival auch wir als Veranstalter quasi auf Tournee gehen“, sagt Espina. Zum Konzept gehört, immer genau das richtige Programm für den jeweiligen Ort zu finden, von eindrucksvoll bis intim.

Gibt ein einmaliges Konzert mit den Blauets de Lluc: Marco Mezquida. / FOTO: VERANSTALTER
Und mit der Zeit ergeben sich immer wieder einmalige Gelegenheiten, wie nun am 6. Juni: Im Wallfahrtsort Lluc kommt es dann zu einer musikalischen Begegnung zwischen dem Kinderchor Blauets der Klosterschule und dem renommierten Pianisten Marco Mezquida mit seinem Trio. „Er gibt oft Masterclasses, hat ein Talent für Didaktik und auch große Freude daran“, sagt die Veranstalterin. Bei dem Programm werde es sowohl eigene Songs von Mezquida zu hören geben als auch Interpretationen eines Repertoires, das die Escolanía de Lluc zusammenstellen durfte. Die meisten Stücke werden gemeinsam aufgeführt. Ein sicher unvergessliches Erlebnis, das es in dieser Form nie wieder geben wird.
Für Musiker sei es zudem eine dankbare und magische Erfahrung, einmal bei einem Freiluftkonzert in Lluc aufzutreten, betont Espina: „Dort oben in den Bergen zu musizieren, an einem so geschichtsträchtigen Ort mit einer besonderen Seele, wo die Menschen nicht nur hinpilgern, sondern auch meditieren, prägt und inspiriert die Künstler.“
Junge Talente fördern
Weniger spirituell, aber in gleichem Maße beliebt ist das Castell de Bellver in Palma. Dort gastiert am 14. August die US-amerikanische Folk-Punk-Sängerin, Songwriterin und Gitarristin Sunny War. Zu ihren Einflüssen zählen die Folk-, Blues- und Country-Traditionen aus ihrer Südstaaten-Heimat, und sie behandelt in ihren introspektiven Songs häufig Themen wie psychische Probleme. Unterstützung bekommt sie von der jungen mallorquinischen Musikerin 2mooncat (Neus Aguiló), Finalistin des diesjährigen Concurs Pop Rock. „Sie macht Musik seit sie 13 ist, stand bis dieses Jahr damit aber noch nie auf einer Bühne“, sagt Espina, die ein Herz für aufstrebende Talente hat.

Flamenco-Gitarrist Chicuelo. / FOTO: JOSEP ECHABURU
Einen weiteren Beweis dafür liefert das Programm am 17. Juli: In der Torre dels Enagistes im historischen Museum von Manacor dürfen neben der Gruppe Zulu Zulu mit ihren psychedelischen Klängen zwei ganz junge Bands mit dem Hauptact Joan Miquel Oliver die Bühne teilen: Ilion und U.R.Bad. Letztere haben 2025 den Pop-Rock-Musikwettbewerb gewonnen. „Wir nennen das ‚Sons de Futur‘, weil wir einen Ausblick geben, wie die Zukunft klingen wird“, sagt Espina.
In der Gegenwart dürfen wir uns auf musikalische Vielfalt freuen. Aus der Sparte des Flamenco gibt es etwa am 16. Juli im Claustre de Sant Domingo in Pollença ein Konzert mit Chicuelo. Der Gitarrist präsentiert sein Programm „Caminos“, bei dem er von einer Tänzerin begleitet wird. Diese liefere mit ihren Schuhen quasi die Percussion, sagt Espina.
Alternative zum Mallorca Live
Die Veranstalterin liefert indes am 13. Juni eine Alternative zum zeitgleich stattfindenden Mallorca Live Festival. Um in diesen Tagen erfolgreich ein Konzert zu organisieren, lautet ihre Strategie, musikalisch etwas völlig anderes anzubieten als das Großevent: Die Brüder Camille & Matthieu Saglio bespielen das Claustre de Santa Ana in Muro mit einer poetischen Mischung aus Klassik, Jazz und anderen Einflüssen, die die Franzosen auf Reisen sammelten. Für Musikfreunde, die intimen Gesang und Violoncello der Party in Calvià vorziehen, dürfte das genau das Richtige sein.

Camille und Matthieu Saglio. | FOTO: JD LEMARIE
Sons de Nit hat aber durchaus auch seine eigenen Stars. So ist Pau Debon mit von der Partie, der Sänger von Mallorcas Kultband Antònia Font. Am 27. Juni tut er sich mit dem Pianisten Antoni Bujosa zusammen, der Stücke zu den Werken des mallorquinischen Dichters Pere Suau komponierte. Die musikalische Hommage wird auf dem Landgut Raixa bei Bunyola zu hören sein. Das ist für Espina nicht nur ein besonderer Grund zur Freude, weil sie den Schauplatz zum ersten Mal für ein Konzert nutzen darf. „Es passt auch gut, weil die Beteiligten alle aus Bunyola stammen. Das wird also ein Heimspiel.“
Ein Ort, an dem nun zum zweiten Mal in Folge ein Freiluft-Konzert steigt, ist der kleine Platz vor der Kirche in Cala Sant Vicenç. Dort wird am 28. August ein Mix aus Folk, Jazz, brasilianischer und mediterraner Musik erklingen, dargeboten von Judit Neddermann und Dario Barroso. Die spanische Singer-Songwriterin tritt nicht zum ersten Mal bei Sons de Nit auf. Auch die Pianistin Clara Peya ist eine „Wiederholungstäterin“: „Sie macht aber jedes Mal etwas ganz anderes“, so Espina. Diesmal, am 29. August in Sa Pobla, käme Peya in Begleitung starker Gesangsstimmen.
Das Programm ist aufgrund der WM ein wenig schlanker ausgefallen als in den Vorjahren: Wenn die halbe Insel ein Spiel schaue, sei es nicht sonderlich sinnvoll, am selben Abend ein Konzert zu veranstalten. Die einzige Ausnahme bildet das Konzert der lokalen Folk-Gruppe Sedaç am 11. Juli im Claustre de Sant Bonaventura in Llucmajor. Es fängt aber früh genug an, dass man im Zweifelsfall Musik und Fußballgucken unter einen Hut bekommt.
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