35 Ausstellungen und viele Denkanstöße: Das Mallorca PhotoFest feiert Premiere mit großem Insel-Programm

Die Art Cologne Palma Mallorca ist kaum zu Ende, da klopft auf der Insel schon das nächste Kulturevent an die Tür: Am 25. April eröffnet offiziell das Mallorca PhotoFest – der Nachfolger des 2015 nach elf Ausgaben eingestellten Festivals „Palma Photo“. Für die Koordinatorin und Kuratorin Montserrat Torras ist eine solche Veranstaltung mit vollem Fokus auf die Fotografie heute wichtiger denn je: „Mit all der Technologie und unseren Handys sind wir permanent von Bildern umgeben. Aber wir sind für dieses Ausmaß des Konsums gar nicht vorbereitet und geschult“, sagt sie der MZ. „Hinzu kommt das Thema KI, das immer präsenter wird.“ Deshalb sei es unerlässlich, sich differenziert mit dem Medium selbst und den neuen Werkzeugen zu befassen.
Dazu gibt es beim PhotoFest nun mehr als genug Gelegenheiten. Das prall gefüllte Programm besteht aus mehreren Sektionen: Es gibt insgesamt 35 „PhotoProjects“, also Ausstellungen, acht „PhotoTalks“, zwei „PhotoWorkshops“ – einer für Familien (24. und 25. April) in der Fundación Juan March und einer am 2. Mai in einem Fotolabor in Sa Pobla – sowie „PhotoTours“. Hinzu kommen die Reihe „Calvià PhotoFilm“, bei der in Kooperation mit FilmIn vier Kino-Highlights gezeigt werden, und der Themenbereich „PhotoStreet Press“. „Er ist dem Fotojournalismus gewidmet, dem wir Sichtbarkeit geben wollten, weil dort echte Profis am Werk sind, die oft im Hintergrund bleiben“, erklärt Torras. Deren Arbeiten werden nun an den Bushaltestellen zu sehen sein.
Foto-Projekte in acht Gemeinden
Auch ansonsten werden die Inhalte breit über Schauplätze auf der Insel gestreut und beschränken sich nicht nur auf Palma: Acht weitere Gemeinden haben sich der ersten Ausgabe des Festivals angeschlossen.
Einige Ausstellungen haben schon vor dem Stichtag begonnen, sind aber trotzdem Teil des Programms: so etwa die äußerst sehenswerte Ausstellung „Holy“ von Donna Ferrato im Casal Solleric, die Schau „Colors del món“ mit Arbeiten von National-Geographic-Fotografen im CaixaForum Palma, „Cristóbal Hara. Principiante“ in der Fundación Juan March oder auch die bereits am 15. April in der Miró-Stiftung eröffnete neue Ausstellung „Horta Picasso – Miró Mont-roig“ von Jean Marie del Moral.

Fotografie von Jean Marie del Moral in der Miró-Stiftung. / Jean Marie del Moral
Letzterer bilde gewissermaßen das Gegenstück zu einem weiteren „Star“ dieser ersten Festivalausgabe: dem 71-jährigen Katalanen Joan Fontcuberta, Preisträger des Premio Nacional de Fotografía. „Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille, weil sie so unterschiedliche Arten haben, an die Fotografie heranzugehen“, sagt die Koordinatorin. „Jean Marie del Moral interveniert nicht mehr in einem bereits fertigen Foto. Joan Fontcuberta hingegen greift in das Bild ein, und zwar durch alle möglichen ihm zur Verfügung stehenden Mittel.“
Fontcuberta ist gleich mit drei Projekten beim PhotoFest vertreten: Das Casal Solleric beherbergt ab 30. April die Schau „Wunderkammer“, ein fantasievolles Potpourri mit diversen Bezügen zu Darwin, Kuriositätenkabinetten und einem Mix aus Science-Fiction und Dinosauriern. Festivaldirektor Xavier Fiol nutzt indes seine Galerie ab dem 2. Mai für die laut Torras „sehr rockige“ Schau „Orquídeas y macarras“ – also „Orchideen und Schläger/Proleten“. Ein denkbar krasser Kontrast in Sachen fotografische Motive. Zudem präsentiert das Fotografiezentrum Toni Catany in Llucmajor am 29. April das Ergebnis eines Projekts, das der Fotograf im vergangenen Herbst gemeinsam mit Workshop-Teilnehmern entwickelte: „La Via Làctia. Retratar arbres“ zeigt „Porträts“ von Bäumen. Auch die Abschlussgala des Festivals am 29. August findet in der Fundació Toni Catany statt. „Das ist schließlich unser Vorzeige-Museum für Fotografie. Man muss es entsprechend würdigen“, meint Torras.

"Another Pakistan Story" von Joan Roig, zu sehen in Campos. / Joan Roig
Trotz der Bilderflut richtig hinsehen
Doch auch viele andere Orte halten in den kommenden Monaten spannende Projekte bereit, und manche davon hat man als Bewohner von Palma kaum auf dem Radar. Zum Beispiel das Casal de Can Pere Ignasi in Campos: Dort eröffnet am 29. Juli die Ausstellung „Alfarutx“ von Joan Roig, die von einem Wasserfinder in Pakistan und Steinen als Träger von Erinnerung erzählt und dazu einlädt, unsere Beziehung zur Umwelt zu überdenken. Oder das Casal Son Tugores in Alaró, wo die deutsche Fotografin Ruth Hundeshagen am 25. April die Schau „I Feel You“ eröffnet.
Sehenswert in Palma ist unter anderem „Cuando se acaba el día“ von Beatriz Polo Iañez im Kulturzentrum La Misericòrdia. Das Projekt greift thematisch den Angriff auf die Zivilbevölkerung auf, die 1937 von Málaga nach Almería floh, und verbindet ihn mit dem Denkmal von Sa Feixina. Bemerkenswerterweise haben auch zahlreiche Galerien, die sonst nicht vorrangig Fotografie zeigen, passende Ausstellungen konzipiert, um Teil des Programms zu sein. Manche sind zum Art Palma Brunch gestartet, aber es kommen noch weitere.

"Red Light District Old Delhi India" von Aitor Lara in der Galerie 6A. / Aitor Lara
„Sehr interessant und enorm kraftvoll finde ich etwa ‚La Trinchera‘ von Aitor Lara in der Galerie 6A“, sagt Torras. „Er bereist die Welt und fotografiert Minderheiten, die im Verborgenen leben.“ Ein weiteres Highlight – auch für die Koordinatorin – verspricht das Gespräch im CaixaForum zu werden, das sie am 5. Mai mit María Santoyo, der Leiterin des renommierten Festivals PHotoEspaña, führen wird. Hier geht es um Santoyos Doku-Miniserie „¿Qué miras?“. Diese behandelt das Thema, das Torras unter den Nägeln brennt: wie wir lernen, trotz der Bilderflut ein Bild richtig zu sehen und zu lesen.
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