Warum Antonio Banderas jetzt das „Phantom der Oper“ nach Mallorca bringt

Antonio Banderas ist eines der bekanntesten Phantome der Oper. Dabei hat der Schauspieler die Rolle nur bei einem Auftritt und einem Lied performt – 1998 im Duett mit Sarah Brightmann anlässlich des 50. Geburtstags des Musical-Gottes Andrew Lloyd Webber. Dass am Freitag (27.2.) erstmals auf der Bühne in Palmas Auditorium der Vorhang zum weltberühmten Musical aufgeht, liegt in erster Linie am Spanier. Vor drei Jahren gründeten Lloyd Webber und Banderas die Firma „Amigos para sempre“, die nach und nach Musical-Klassiker ins Spanische übersetzen will. „Das Phantom der Oper“ macht nun den Anfang.
„In Madrid war Banderas sogar beim Casting dabei. Bei der Besetzung für das Musical, das nun tourt, aber nicht“, sagt Daniel Diges der MZ. Der 45-Jährige spielt den maskierten Bösewicht. Das Phantom ist von der Stimme der von Ana San Martín gespielten jungen Opernsängerin Christine besessen. „Ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf, weine bei jeder Vorstellung, und die Emotionen aus dem Alltag fließen ein“, sagt der Protagonist. Je nach Gefühlslage falle seine Rolle daher mal etwas zorniger oder trauriger aus. Eine Delle am Auto könne daher helfen. „Mal packe ich Christine bei der Hand, mal schnappe ich sie förmlich an der Hüfte.“
„Er ist manchmal ein ganz schönes Tier“, sagt Ana San Martín der MZ. Das Musical lade aber auch dazu ein, die Gefühle auszuleben. Die beiden Protagonisten kennen sich seit einer gefühlten Ewigkeit. „Seit 17 Jahren“, sagt Diges. „So alt ist mein Sohn.“ Beide standen schon gemeinsam bei „High School Musical“, „El médico“ und „Les Misérables“ auf der Bühne. Mit dem Phantom haben sie nun den Gipfel der Musical-Karriere erreicht. Ein Traum, meinen beide. Diges spielte auch schon mal für die Rolle in Frankreich vor. „Die Produzenten waren begeistert von meiner Stimme, fanden mein Französisch aber grauenhaft“, sagt er. Er kam in die engere Wahl für den Raoul – Christines Verlobten –, dessen Sprechanteil geringer ist. Letztlich wurde der Spanier aber nicht ausgewählt.
Strenge Vorgaben und kleine Freiheiten
In den Emotionen des Stücks bieten sich die Feinheiten an, die die Darsteller am Original ändern können. Ansonsten gibt es strikte Regeln. „Das Büro von Andrew Lloyd Webber schaut auf jedes Detail. Meist ist auch ein Verantwortlicher bei allen Vorstellungen vor Ort“, sagt Diges. Nur Banderas fehlte bislang bei der Tour. „Wahrscheinlich wird er in seiner Heimatstadt Málaga zuschauen.“
Schon im ersten Akt zieht das Phantom Christine mehr und mehr in seinen Bann und gibt sich ihr erstmals im Titelsong zu erkennen. Die Melodie dürfte jeder schon mal gehört haben. Deutsche Zuschauer haben wohl den englischen Originaltext im Hinterkopf. In Palma singen die Darsteller jedoch die spanische Übersetzung. Das Original sei natürlich besser, aber für eine Adaption könne sich die spanische Variante schon sehen lassen, meinen die Protagonisten. Diges singt beim Telefoninterview sogar kurz eine Liedzeile auf Englisch und in der spanischen Übersetzung vor, um die Unterschiede aufzuzeigen. Das Original kommt manchmal schwermütig und langsam daher, im Spanischen wird wesentlich flotter gesungen.
Der bekannte Höhepunkt des Titelsongs ist der Moment, in dem das Phantom Christine für sich singen lässt. Es artet in einen gesungenen Schrei aus. „Das genieße ich bei jeder Vorstellung“, sagt Ana San Martín. „Durch meine Opernausbildung habe ich mit der hohen Stimmlage keine Probleme, muss meine Stimme vorher aber gut aufwärmen.“
Hits, Rollenbilder und die Frage der Entscheidung
„The Music of the Night“, „All I Asked Of You“, „Masquerade“, „Wishing You Were Somehow Here Again“ – das Phantom bietet so viele Hits an, dass sich die Protagonisten gar nicht auf ein Lieblingslied festlegen möchten. „Ich finde auch die Stellen zwischen den Liedern spannend, wenn Christine singend ihre komplizierte Vergangenheit mit dem verstorbenen Vater erklärt“, sagt Ana San Martín. Im Musical wird die junge Dame vor die Wahl gestellt: das Phantom oder ihr Verlobter. Keine einfache Entscheidung, meint die Darstellerin. „Ganz ehrlich: Ich würde keinen von beiden wählen. Das Phantom ist ein Psychopath, hat aber Verständnis für Christines Probleme. Raoul hingegen ist ein netter Kerl, kann sich aber nicht in ihre Gefühlswelt hineinversetzen.“
Es gibt sogar einen weniger bekannten zweiten Teil des Musicals, in dem die Entscheidung noch einmal durcheinandergewürfelt wird. „Ich will aber nicht spoilern“, sagt Ana San Martín. Wobei es noch gar nicht feststeht, ob Banderas die Fortsetzung überhaupt ins Spanische übersetzen lässt.
Im Verlauf des Stückes stellt das Phantom immer mehr Forderungen an die Betreiber des Pariser Opernhauses, in dem es versteckt lebt. Um Nachdruck zu verleihen, stört es regelmäßig die Aufführungen. Daniel Diges kann ein Lied davon singen, wie sich das anfühlt. 2010 vertrat er Spanien beim Eurovision Song Contest. Als er mit seinem Team gerade seinen Song „Algo pequeñito“ performte, gesellte sich ein Flitzer hinzu und tanzte mit. „Im Endeffekt hat mir das extrem geholfen“, sagt Diges rückblickend dazu. Er landete beim Wettbewerb zwar nur auf Platz 15, trotzdem waren die Titelseiten voll mit ihm. „Das war das Jahr, in dem eure Lena Meyer-Landrut gewann. Sie war etwas pikiert, dass sich im Anschluss alles um mich drehte.“ Vielleicht war es auch der Moment, der ihm den Schub gab, um nun eine der größten Musical-Rollen überhaupt ausfüllen zu dürfen.
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