Hier entdecken Sie die aufregenden Anfänge eines späteren Fotopreisträgers

Es war sicher nicht nur der Eintopf in der Mensa, der Cristóbal Hara (79) einst aus Deutschland vertrieb – obwohl er sich daran im Gespräch mit der MZ noch lebhaft erinnern kann. Der als Sohn einer deutschen Mutter in Madrid geborene heutige Preisträger des Premio Nacional de Fotografía studierte Ende der 1960er-Jahre in Hamburg und München. Doch gelangweilt von den trockenen Fächern – Jura und Betriebswirtschaft – und fasziniert von Henri Cartier-Bressons Spanienbildern beschloss er mit 23 Jahren, lieber Fotograf statt Unternehmer zu werden. Allein: In der damaligen Zeit war es gar nicht so einfach, eine entsprechende Ausbildung zu bekommen. Zudem lebte Hara als Jungspund in recht prekären Verhältnissen. „Ich habe mich in Deutschland irgendwie über Wasser gehalten, aber mehr schlecht als recht“, erzählt er.
So war es das Naheliegendste, erst einmal eine Wohnung in Cuenca zu beziehen, die sein Onkel ihm überließ, und dort als Autodidakt einfach loszulegen. „Wenn man etwas anfängt, dann ist das ein Gefühl von Abenteuer – einfach alles ist spannend und neu“, sagt der Fotograf über diese Zeit der Entdeckungen und Experimentierfreude. Ihr ist nun in der Fundación Juan March in Palma eine Schau gewidmet: „Cristóbal Hara: principiante“.
Schwarz-Weiß-Bilder von Kindern aus Cuenca
Hara versuchte, mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern den großen Fotografen nachzueifern, die er bewunderte. Ein Sujet, das ihm in den Anfangsjahren oft vor die Linse kam, waren die Kinder aus Cuenca. „Ich habe nicht sie ausgesucht, sondern sie mich“, betont er und lacht. Als junger Mann, der ständig mit seiner Kamera durch die Straßen zog, war Hara bald überall bekannt. Und die Kinder rissen sich darum, auf ein Bild zu kommen – was in der analogen Ära noch kein Problem darstellte.

„Cuenca“, ca. 1972: drei neugierige Kinder. / Cristóbal Hara
Doch er fotografierte nicht nur fröhlich spielende Knirpse, die ihm hinterherliefen oder ihre Nasen an eine Glasscheibe drückten. Seine Bilder fingen auch authentisch und unmittelbar alles ein, was zu einer Kindheit in dem spanischen Ort zu Beginn der 1970er-Jahre dazugehörte: einen Knaben beim Friseur, der nicht ganz glücklich über seinen akkuraten Haarschnitt zu sein scheint. Ein Mädchen, das mit ernster Miene seine Zeichnung von Jesus in die Kamera hält. Oder einen kleinen Jungen, der am Tresen einer Bar im Arm seines Vaters eingeschlafen ist.
Fotos vom Leben der Soldaten
Der Wermutstropfen von Haras Rückkehr nach Spanien: Er musste mit vier Jahren Verspätung noch seinen Wehrdienst nachholen, dem er ursprünglich durch das Studium im Ausland entfliehen wollte. Für die Nachwelt ist das hingegen ein Glücksfall, weil es uns Zeitzeugnisse aus dem Leben der Soldaten in den letzten Jahren der Franco-Diktatur bescherte: Als es für ein paar Monate ins Feldlager ging, schmuggelte Hara verbotenerweise seine kleine Leica IIIf hinein. „Wenn sie mich erwischt hätten, wäre ich immer noch im Gefängnis“, sagt er. Doch er flog nicht auf. Seine Kameraden verpfiffen ihn nicht, sie hielten ihn nur für ein wenig schräg, auch wegen seines Status als „halber Ausländer“. Hara fotografierte zur Schau gestellte, lässige Männlichkeit mit Muskelspielen oder Fluppe im Mundwinkel ebenso wie intimere Momente. Das Bild oben stammt vom ersten Sonntag, an dem die Soldaten Besuch von ihren Familien bekommen durften.
Nach der herumgebrachten Zeit beim Militär zog der junge Fotograf für einige Jahre nach London, außerdem entdeckte er unter anderem verschiedene Orte Spaniens. Auch von diesen Reisen gibt es Fotos in der Schau zu sehen: Stierkämpfe, religiöse Szenen, runzelige alte Damen beim Plausch auf der Straße oder eine erschöpfte Bäckerin, die sich unbeobachtet glaubt: Diese äußerst menschlichen Bilder erinnern bei der Wahl der Motive teils an die Serie „España oculta“ von der ebenfalls mit dem nationalen Fotopreis ausgezeichneten Cristina García Rodero.

„El Pedernoso“, 1971: Dieses Bild entstand bei einem Stopp, als Haras Auto kaputtging: „Der Barbesitzer stellte seine Tochter auf den Tresen und alle posierten“, erinnert er sich. / Cristóbal Hara
Hara, der für renommierte spanische und internationale Zeitungen arbeitete und in vielen bedeutenden Sammlungen vertreten ist, sah sich irgendwann mit der Schwarz-Weiß-Fotografie in einer Sackgasse. 1985 beschloss er, noch einmal ganz neu zu beginnen: Seitdem fotografiert er nur noch in Farbe.
„Cristóbal Hara: principiante“, Vernissage und Talk mit dem Fotografen: 10. Februar, 18 Uhr, bis 2. Mai, Museu Fundació Juan March, C/. de Sant Miquel, 11, Palma. Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sa. 10.30–14 Uhr
Abonnieren, um zu lesen
Si quieres conocer otros artículos parecidos a Hier entdecken Sie die aufregenden Anfänge eines späteren Fotopreisträgers puedes visitar la categoría Sociedad.
Deja una respuesta
Lo siento, debes estar conectado para publicar un comentario.

Otras noticias parecidas