Eine neue Online-Plattform gibt jetzt einen Überblick, was in Sachen Kunst auf der Insel passiert

Auf der Startseite des Online-Portals mallorca.art wird man nicht mit einem Bild von Mallorca begrüßt, sondern mit einem Foto von Japan. Es zeigt die berühmte Kunstinsel Naoshima. Was ohne Vorkenntnisse auf den ersten Blick irritiert, ergibt tatsächlich Sinn: Denn hinter der brandneuen Website, die am 1. März online gegangen ist, steckt ein in Marburg geborener Japaner, der seit fünf Jahren in Alaró lebt – und der sich wünscht, dass nach jenem Vorbild auch Mallorca vor allem als Insel der Kunst wahrgenommen wird.
Jiro Shimizu ist selbst künstlerischer Fotograf und Media Producer, der auch Erfahrung im Bereich Marketing mitbringt. Er pendelte lange zwischen Japan und Wien, bis er mit seiner Partnerin nach der Geburt ihrer ersten Tochter nach Mallorca zog. Durch Shootings für Kunden kannte er die Insel bereits gut und hatte hier schon Freundschaften geknüpft. Die kleine Familie, die gerade nochmals Zuwachs bekommen hat, sei „sehr happy“ auf Mallorca, sagt Shimizu im Gespräch mit der MZ. „Wir versuchen aber auch, irgendwie mitzuwirken und die Insel mitzugestalten – in einer Form, von der wir glauben, sie ergibt nachhaltig und auch für die Menschen hier Sinn.“

Jiro Shimizu ist selbst künstlerischer Fotograf. / Shimizu
Großer Informationsbedarf zum Thema Kunst
Zu seinen ersten Kontakten vor Ort zählten Katrin Kirk, Mandy Pang und Anja Kleener von der Künstler-Gemeinschaft The Beehive. „Wir haben zusammengesessen und gemeinsam bemerkt, dass hier eigentlich noch etwas fehlt“, erzählt er. Die Mallorca Zeitung oder das „Diario de Mallorca“ seien zwar gute Informationsquellen, es habe aber bislang an einer Plattform gemangelt, die sich ausschließlich mit Kultur befasst – und insbesondere mit zeitgenössischer Kunst. Da sich in diesem Bereich so viel tue, sieht Shimizu hier einen entsprechend großen Informationsbedarf. „Wir hatten aber immer selbst das Problem, zu spät von den Dingen zu erfahren“, sagt er.
So entstand die Idee, selbst diese Lücke zu schließen und die Plattform mallorca.art ins Leben zu rufen, die einen Überblick liefert und zusammenfasst, was in der Kunstszene passiert und wo es passiert. Das Portal soll „alle Kunstinteressierten abholen und breit sein, aber auch die Möglichkeit bieten, in die Tiefe zu gehen“, so der Fotograf. Als Nutzer findet man auf der Website bislang unter anderem eine ansprechend gestaltete Übersicht über Museen, Galerien und Kunstorte, einen Eventkalender und ein Magazin mit Artikeln zu Kunstthemen, die von freien Autoren verfasst werden. Da das Projekt noch in der Anfangsphase steckt, besteht noch kein Anspruch auf Vollständigkeit – es sollen aber rasch immer mehr Inhalte hinzukommen. Sie sind derzeit auf Spanisch und Englisch verfügbar, ab Sommer soll auch Deutsch als Sprache ausgewählt werden können.
Reichweite aufbauen, Kontakte festigen
Zunächst geht es Shimizu nun darum, Reichweite aufzubauen und den Kontakt mit Institutionen und Galerien zu festigen. Die Kulturabteilung der Stadt Palma organisiere zwar sehr gute Events, schaffe es aber kaum, diese selbst professionell zu promoten, sagt er. Mit seiner Überzeugung, dass mehr Kulturtourismus der Insel gut zu Gesicht stünde, ist er jedenfalls schon einmal genau auf der Linie der aktuellen Kulturpolitik.
Zudem entwickelt er die Plattform in enger Zusammenarbeit mit dem Galeristenverband Art Palma Contemporani weiter. „Das Feedback war großartig“, sagt Shimizu über die bisherigen Gespräche. Mallorca.art ist nun offizieller Medienpartner und hilft den Galerien dabei, ihren Medienauftritt auf allen Kanälen zu optimieren und ihren Wirkungskreis über die eigene Website hinaus zu erweitern. Dafür bekommt mallorca.art vorab Zugang zu Informationen, etwa über Kunstevents wie den anstehenden Art Palma Brunc.
„Wir haben gesehen, dass es zwar sehr viele Galerien gibt, diese aber nur sehr mäßig miteinander zusammenarbeiten“, sagt Shimizu. Auf mallorca.art sieht man nun sofort die Fülle an verschiedenen Galerien und kann Informationen abrufen. Und je intensiver die Vertrauensbasis zu den Galeristen wird, desto persönlicher und nahbarer können etwa in Zukunft die Magazinbeiträge gestaltet werden.
Kultur-Promotion und Kunstverkauf
Mittelfristig soll das Portal zwei große Bereiche abdecken: einerseits Promotion für Mallorca als Ort der Kultur, andererseits den Kunstverkauf. In Bezug auf den ersten Punkt erhofft sich Shimizu Subventionen von der Stadt Palma. In Sachen Art Sales gibt es verschiedene Richtungen, in die es gehen könnte – etwa einen Online-Store, über den die Galerien direkt Kunstwerke verkaufen können. Ein weiterer Weg ist die Kunstberatung. Die Plattform würde in diesem Fall eine Vermittlerrolle übernehmen, Anfragen verteilen, Kontakte zu passenden Galerien oder auch direkt zu den Künstlern herstellen. Auch Touren durch die Studios wären möglich, um gemeinsam das richtige Kunstwerk zu finden.
Derzeit bilden Shimizu, seine Partnerin und ein Mitarbeiter in Deutschland den festen Kern des Teams. „On the go“ hole er, je nach Aufgabe, weitere Personen hinzu, wobei er auf seine Kontakte aus der Medienproduktion zurückgreift. Das Portal will perspektivisch auf eine breite Finanzierung mit diversen Einkommensquellen setzen, von Anzeigen über buchbare Editorials und für Galerien kostenpflichtige Einträge bis hin zu einem Print-Guide.
Viele Ideen, wie es weitergehen könnte
Doch sowohl hierbei als auch bei den Inhalten der Website stehen sehr viele Ideen im Raum, die alle noch nicht spruchreif und in Stein gemeißelt sind. So schweben Shimizu beispielsweise auch Videocontent oder eine zweite Plattform vor, die sich ausschließlich an die Künstler selbst richtet – und die dann zusätzlich auf mallorca.art integriert werden könnte. Der Künstler ist optimistisch, dass seine Initiative auf Mallorca fruchtbaren Boden findet: „Wenn man hier ist, gibt es die Zeit und Muße, um sich mit Kunst zu beschäftigen. Diese Insel ist einfach perfekt dafür.“
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