„La Quijá“ auf Mallorca: Preisgekröntes Tanzstück von Paloma Muñoz in Palma

Eine schier unendliche karge Weite, ein leerer Horizont. Trockene Landschaft, so weit das Auge reicht. Darin ein Haufen lebloser Körper. „Das war das erste Bild, das sich in mir formte, als ich das Stück schuf. Es verkörperte perfekt die Idee, zum Wesentlichen vorzudringen“, erzählt die zeitgenössische Choreografin Paloma Muñoz am Telefon. Sie kommt am Sonntag, dem 10. Mai, mit ihrem preisgekrönten Stück „La Quijá“ ins Teatre Principal nach Palma. Die aus Extremadura stammende Choreografin hat darin die archaische Stimmung ihrer Heimatgegend, der „Siberia extremeña“, nachempfunden. „Es ist eine sehr ursprüngliche Landschaft, verlassen und wild. Ich liebe sie, dort sind meine Wurzeln“, sagt die 44-Jährige, die mittlerweile als urbanita in Barcelona lebt.

Paloma Muñoz studierte selbst Tanz und gründete ihre eigene Kompanie Siberia Danza. / Siberia Danza
„Der Körper ist für mich der Ursprung meiner Kreativität. Mit ‚La Quija‘ wollte ich zu einer direkteren und roheren Bewegung gelangen und begab mich auf die Suche nach etwas Essenziellem“, sagt Muñoz, deren künstlerischer Ursprung in einem aufwendigen, detaillierten und sehr formalen Tanz liegt. Ihren Abschluss in zeitgenössischem Tanz hatte sie 2003 am Institut del Teatre de Barcelona gemacht. 2016 gründete sie ihre Kompanie Siberia Danza und startete damit ihre Karriere als unabhängige Choreografin.
Eine Bühne voller zum Himmel gereckter Kiefer
Zu Beginn von „La Quijá“ liegen die Körper am Boden. Knochen knacken, die Kiefer (quijada oder verkürzt quijá) recken sich zum Himmel. Eine kollektive Welle aus zitternden Muskeln und glänzendem Schweiß baut sich auf. Die Körper stützen sich gegenseitig, explodieren in wilden Bewegungen, die schamanistisch anmuten. Dazu das karge Bühnenbild: nichts als Nebel in der Luft und Erde am Boden. Muñoz vermittelt mit ihren Werken Empfindungen und Erlebnisse statt Botschaften: „Ich will die Betrachter berühren, sie aufrütteln und eine Erfahrung erschaffen, die sie verwandelt.“

Die Bühne verwandelt sich in eine getanzte Reise zur Lebenskraft des menschlichen Körpers. / Siberia Danza
Ausgearbeitete Klangelemente im Live-Sound
Dafür arbeitet die Choreografin mit sonido directo: Die Musik und die Körpergeräusche sind live in dem Moment erzeugt. So schlagen die Tänzer den Rhythmus mit den bloßen Füßen hart auf den Boden– ein unerbittliches Muster wie ein klassisches Ostinato, das mit Alejandro da Rochas Kompositionen und den hallenden Sounds des Tontechnikers Rodrigo Rammsy verschmilzt.
Der spanische Flamenco-Sänger, Performance-Künstler und Musiker „El Niño de Elche“, mit bürgerlichem Namen Francisco Contreras Molina, unterstützte Muñoz bei der Ausarbeitung der Klangelemente und in der Gesangsarbeit. „Wir haben uns die Stimme als die Luft vorgestellt, die durch die Körperhöhlen und Knochen fließt. Sie strömt durch den Mund, den Kiefer und den Rachen und erzeugt dort Resonanzen, die gleichzeitig Bilder und Erinnerungen hervorrufen“, erzählt die Choreografin.

Eine Landschaftt wie in einer Wüste - Szenenbild aus „La Quijá“. / Siberia Danza
Welche Bilder hinterlässt die Erinnerung in uns?
Der Kieferknochen zieht sich als Symbol durch das gesamte Stück. Muñoz erzählt, dass verrottenden Tierschädeln in der Natur oft der Kieferknochen fehlt, da er beweglich ist und leicht verschwindet. „Diese Idee faszinierte mich, weil eine Parallele zum sich auflösenden Tanz besteht. Es ist sehr schwierig, dass eine Bewegung eine Spur hinterlässt, und so fragte ich mich: Wie hallt Erinnerung nach?“. Muñoz baute in die Inszenierung einen wiederkehrenden Moment ein, in dem die Tänzer einander und sich selbst an den Knochen erkennen: „Sie berühren ihre Gesichter, ihr Kinn, als würden sie sich selbst darin wiedererkennen. Es ist so, als ob sich all die DNA-Spuren, die es da draußen in dieser Wüste gibt, in Fleisch und Blut materialisieren. Die Tänzer sind wie Geister oder Seelen dieses Ortes, und anstatt sich aufzulösen, integrieren sie sich, werden zu Materie“, erklärt Muñoz.

Die Figuren des Tanzstücks "La Quijá" muten teilweise gespenstisch an. / Siberia Danza
Zeitgenössisch und ketzerisch
In einer anderen Szene bewegen sich die zehn Tänzer wie eine rituelle Prozession durch den Bühnenraum. „Unsere katholischen Traditionen inspirieren mich, allerdings aus einer zeitgenössischen und ketzerischen Perspektive“, sagt die Choreografin. So sind viele ironische Anspielungen auf religiöse Rituale im Stück enthalten. Die Bühnenkostüme entstanden in Zusammenarbeit mit Miguel Peñaranda, einem Kostümbildner, der in Belgien lebt, aber aus Cuenca stammt und während des Entstehungsprozesses quasi eine Nähwerkstatt in den Garderoben des Mercat de les Flors in Barcelona einrichtete.
So wird „La Quijá“ zu einem Gesamtkunstwerk. Muñoz gewann damit 2025 den Kritikerpreis für das beste spanische Tanzstück. Zudem war es für zwei Max-Theaterpreise nominiert. Uraufgeführt im Oktober 2024 im Mercat de les Flors in Barcelona, war es diesen Februar auch erstmals international im Stadttheater von Bielefeld zu sehen.
Informationen
La Quijá
Regie und Choreografie: Paloma Muñoz
Sonntag, 10. Mai, 19 Uhr
Teatre Principal Palma, Carrer de la Riera, 2
Eintritt: 8–35 Euro
teatreprincipal.com
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