Wenn Shakespeare auf Dark Cabaret trifft

Es gibt Kombinationen, auf die man wohl selbst niemals gekommen wäre, bei denen man aber sogleich überzeugt ist: Ja, das passt. Ein solcher Fall liegt bei der musikalischen Theaterproduktion „A Macbeth Song“ vor, die am Samstag (31.1.) im Teatre Principal und am Sonntag (1.2.) im Auditori de Manacor zu sehen ist. Der schurkigste Schurke aus der Feder von William Shakespeare nimmt hier im Rahmen eines schräg-makaberen, düsteren Cabarets Gestalt an. Das Ergebnis ist ein zorniges, blutiges und doch humorvolles Märchen. Dessen Herzstück bildet das 1989 in London gegründete britische Trio The Tiger Lillies. Der kreative Kopf hinter der Inszenierung des Stoffs ist indes der für seine erstaunlichen Adaptionen von Klassikern bekannte, preisgekrönte katalanische Regisseur Oriol Broggi.
Als künstlerischer Leiter der renommierten Kompanie La Perla 29 schickt er nun drei seiner Schauspieler – Enric Cambray, Màrcia Cisteró und Andrew Tarbet – für ein besonderes Wagnis auf die Bühne: Sie decken nicht nur gemeinsam mit ständigen, manchmal für die Zuschauer leicht verwirrenden Rollenwechseln zu dritt eine Vielzahl von Charakteren ab, sondern spielen das neu interpretierte Stück zudem noch auf Englisch – wobei katalanische Übertitel während der Aufführung in den Saal hineinprojiziert werden. „A Macbeth Song“ ist für eine Europatournee ausgelegt, und es handelt sich um eine internationale Produktion – einen Mix aus angelsächsischer und mediterraner Bühnentradition, aus dem visuellen Stil von La Perla 29 und packender Livemusik.
Drei Horror-Clowns als "Hexen" von Shakespeare
Tatsächlich wird der Text von Shakespeare auf das Wesentliche reduziert, mit Einfallsreichtum und unerwarteten Wendungen eingedampft und in den Dienst der Musik gestellt. Wir erinnern uns kurz an die Handlung der Tragödie: Drei Hexen prophezeien dem Heerführer Macbeth, König von Schottland zu werden. Dieser beschließt daraufhin gemeinsam mit seiner ambitionierten Gemahlin Lady Macbeth, zum Königsmörder zu werden und errichtet nach vollendeter Tat eine Schreckensherrschaft. Es ist eine Geschichte von Macht, Krieg und Schuld, von Tod, Zaubersprüchen, Nacht und Nebel sowie der unauslöschlichen Erinnerung an Verbrechen, die durch maßlosen Ehrgeiz begangen wurden.
In dieser Version von Macbeth verkörpern die Musiker Martyn Jacques, Adrian Stout und Budi Butenop die drei Hexen, die das Schicksal des königsmörderischen Paares besiegeln werden. Und das in ihrer ganz eigenen Ästhetik, die sich irgendwo zwischen Buster Keaton, Horror-Clowns sowie dem Joker aus dem Batman-Universum bewegt.

Herzstück der Inszenierung: Das Musik-Trio The Tiger Lillies. / Teatre Principal
In 22 von Frontmann Jacques eigens für diesen Zweck komponierten Songs porträtieren sie die Dummheit, den Machthunger und die Niedertracht des Shakespeare’schen Bösewichts, singen von Schatten, Dunkelheit, Lügen und Angst. Das klingt dann – unter kreativer Verwendung der englischen Satzstellung und leiernd-dissonant vorgetragen, etwa so: „We witches are the heroes here. You thought you couldn’t die. You thought you’re indestructible. In fact we to you lie. Lie, lie, lie, lie, lie, lie, lie …“ (Wir Hexen sind die Helden hier. Du dachtest, du könntest nicht sterben. Du dachtest, du wärst unzerstörbar. Tatsächlich lügen wir dich an. Lügen, lügen, lügen, lügen, lügen, lügen …)
The Tiger Lillies: Falsettgesang und Dekadenz
Nicht nur in Sachen (dunkles) Charisma, sondern auch musikalisch haben The Tiger Lillies einiges auf dem Kasten: Die Briten trumpfen mit einer langen Diskografie auf, die überwiegend aus Konzeptalben besteht. Sie sind eine Referenz für sogenanntes Dark Cabaret, bei dem Elemente wie die Dekadenz aus der Ära der Weimarer Republik, Cabaret, Burlesque- und Vaudeville-Theater sowie Spielarten von Musikrichtungen wie Punk, Gothic- und Death-Rock hineinspielen. Speziell für dieses avangardistische Trio sind der Falsettgesang von Martyn Jacques und natürlich der britische Humor charakteristisch.
Für die Inszenierung von Broggi loten die Musiker ihr ganzes Potenzial aus – mit Akkordeon, Musiksäge, Stimmgabel und Banjo-Ukulele. Mit den Liedern ebenso wie in prosaischen Momenten reagieren The Tiger Lillies ständig auf das Geschehen auf der Bühne und schaffen rundherum eine besondere Atmosphäre. Damit haben sie bereits zahlreiche Kritiker begeistert. So schrieb etwa eine Autorin des katalanischen Online-Portals „Catorze“, man komme hier geradezu „gut gelaunt aus dem blutigen Macbeth heraus“: „Das Londoner Trio bricht mit seiner dreisten Ironie den Rhythmus der großen Tragödie; die durchdringenden Worte werden unterbrochen, gedämpft, aufgelöst im Tempo eines Cabarets. Ja, der Text ist da, und er ist schrecklich. Shakespeares Absicht ist nicht verschwunden. Im Gegenteil: Der Kontrast schärft seine Botschaft. Die Karikatur mildert den Schlag, macht ihn weniger unangenehm und lässt uns dennoch erschüttert zurück – aber nicht gebrochen.“
„A Macbeth Song with The Tiger Lillies“, 31. Januar, 18 Uhr, Dauer: 110 Minuten, auf Englisch mit kat. Übertiteln, Teatre Principal, C/. de la Riera, 2, Eintritt: ab 12 Euro, Restkarten unter: teatreprincipal.com,
1. Februar, 18.30 Uhr, Auditori de Manacor, Passeig del Ferrocarril, s/n, Eintritt: 25 Euro, Karten unter: teatredemanacor.koobin.cat
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